Amma Darko

 
     
 
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Texte

 
     
 
  Amma Darko: "Meine Stadt Accra", Juni 2008

"Meine Stadt Accra" (pdf, 47KB)

Eine gekürzte Version des englischen Originalartikels ist zuerst in der zweiten Quartalsausgabe 2008 des Overseas Magazine erschienen.

Wir danken dem Overseas Magazine für die Erlaubnis, diesen Artikel hier zu veröffentlichen:

www.rosl.org.uk

Link zur Ausgabe 2/2008 des Overseas Magazine

 
     
  Victor C. Odamtten, Broadening the Horizon

Eine Sammlung von Essays über Amma Darkos Werk ist kürzlich von Professor Vincent O. Odamtten, Hamilton College, Clinton, New York, veröffentlicht worden.

Lesen Sie mehr über die Publikation:  Ayebia Publishing (externer Link)

Lesen Sie mehr über Professor Odamtten: Hamilton College (externer Link)

 
     
     
  Amma Darko: Text 1

Ich sitze hinter meinen Tisch im Büro und starre hinaus auf die Straße und auf den sich lang hinziehenden Verkehrsstau.

Die Fahrzeuge standen schon mindestens dreißig Minuten. An der Straße wird gebaut. Es ist die Hauptstraße, die von Accra, der Hauptstadt der Nation sowie der Greater Accra Region, in die Eastern Region führt. Sie wird erweitert, um dem wachsenden Fahrzeugandrang nachzukommen. Ich starre auf den Rücken eines Mannes, der gerade mein Büro verlassen hat. Er kam um einen Brief abzugeben, der mir notwendige Einzelheiten vermitteln sollte, die wichtig sind für die Beurteilung seiner Situation. Im Lauf der Unterhaltung mit ihm, platze etwas aus ihm heraus, das wie eine lange unterdrückte Wut erschien. Die Wurzel dieses Zorns, der fast an Bitterkeit grenzte, war seine Frau. Er hatte sogar den Ehering abgenommen als Reaktion auf den Mangel an Respekt, den ihm seine Frau zeigte, so behauptete er. Und stolz zeigte er mir seinen ringlosen Finger. Wir schweiften von dem Hauptzweck seines Besuchs ab. Seine Frau, insistierte er, behandelte ihn mit grober Respektlosigkeit und Ungerechtigkeit. Sie hatte einen guten Job, der ihrer Ausbildung entsprach; er nicht. Sie hatten beide einen Universitätsabschluss. 

Seine Frau hatte eine brandneue BMW-Limousine von ihrer Firma bekommen, während er sich mit ihrem kleinen alten Auto bescheiden musste, einer alten Ople-Limousine aus den Neunzigern. Er konnte unmöglich weiter mit dem alten Opel fahren, weil der dicken Rauch aus dem Auspuff ausstieß. Das geschah in einem solchen Ausmaß, dass ein junger Polizeibeamter ihn einmal anhielt und fragte, ob seine Mutter eine Fischhändlerin sei, die ihn vertraglich verpflichtet habe, ihren Fisch in seinem Auto zu räuchern. Der Motor des alten Opel musste ersetzt werden. Er hoffte, dass jemand ihm das Auto aus der Hand nehmen werde, selbst für einen lächerlich niedrigen Preis. Jeder Preis wäre gut, wenn er es nur los werden könnte. Ich fragte ihn neugierig, wozu diese Person, von der er hoffte, sie werde ihm den alten Opel aus den Händen nehmen, ein Auto gebrauchen könne, das so stark qualmt, dass ein Polizist denkt, er räuchere seines Mutters Fisch darin. Er antwortete sehr optimistisch, dass er sicher sie, sobald man den Motor ersetzt habe, könne das Auto als Taxi genutzt werden.

Es sei ein deutsches Auto, fügte er hinzu, und deshalb sei die Karosserie solide.

 Er habe nicht das Geld, den Motor selbst auswechseln zu lassen, erklärte er. Und fügte bitter hinzu, während seine Frau in einem todschicken brandneuen BMW herumkutschiere, müsse er sich damit abfinden, die ganze Zeit am Straßenrand zu warten, um einen Bus oder ein Tro-Tro oder ein Taxi zu ergattern. Er war sehr verbittert darüber, dass seine Frau den Komfort eines neuen Autos genießen konnte und er nicht.

 Das war nicht akzeptabel, erklärte er, vor allem, weil seine Frau kein Problem in dieser Situation sah. Ich fragte ihn geduldig, ob er es lieber anders herum hätte. Er fährt den neuen BMW seiner Frau, während sie versucht ein öffentliches Transportmittel zu ergattern.

Er verbrämte seine Zustimmung zu einer solchen Situation indirekt mit der enthusiastischen Antwort, dass er gern bereit wäre, seine Frau jeden Tag abzusetzen und vom Büro abzuholen. Er würde auch nicht verbittert sein und sich nicht beklagen, weil zwischen dem Absetzen und Abholen seiner Frau der BMW zu seiner Verfügung wäre. Mit einem Lächeln im Mundwinkel fragte ich ihn, was wäre, wenn seine Frau zwischen Absetzen und Abholen noch irgendwo hinfahren wolle oder müsse. Beispielsweise schnell mal auf den Markt um ein paar Sachen einzukaufen während ihrer Mittagspause. Er entgegnete, dass seine Frau das sicherlich nicht jeden Tag täte, so wäre die Unbequemlichkeit des öffentlichen Verkehrs nur gelegentlich zu ertragen, ganz im Gegensatz zu seiner Situation mit regelmäßiger täglicher Basis.

 Mein Blut begann zu sieden. Aber ich spürte auch, dass dieser Mann nicht nur leidenschaftlich überzeugt war von der Richtigkeit seines Denkens, sondern dass es als die annehmbarere Norm betrachtet wurde. Der Mann fährt das Auto seiner Frau, während sie sich mit dem öffentlichen Verkehr herumschlägt. Das wirft ein Licht auf alle Aspekte unserer Leben. Ich bin verblüfft.

 

(Amma Darko, 30. Dez. 2006; Übersetzung: Regina Bouillon)

 
     
 

Mit wissenschaftlicher Sorgfalt geht Amma Darko bei den Recherchen für ihre Bücher vor. Sie durchforstet Archive, besucht Schauplätze und befragt Menschen. 

Sie beschreibt ländliche und städtische Umgebungen lebendig und präzise, so dass die Leser sich das Leben in Ghana vorstellen können ohne je dort gewesen zu sein. 

Die Hauptfiguren in den Werken Amma Darkos sind weiblich. Das hat einen ganz einfachen Grund: „Als Frau kann ich mich am besten in eine Frau hineinversetzen“, so erklärt es die Schriftstellerin.

 

 
  Marktfrauen in Ghana Marktfrauen in Ghana