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Amma Darko: Text 1
Ich sitze hinter meinen Tisch im Büro und
starre hinaus auf die Straße und auf den sich lang hinziehenden Verkehrsstau.
Die Fahrzeuge standen
schon mindestens dreißig Minuten. An der Straße wird gebaut. Es ist die
Hauptstraße, die von Accra, der Hauptstadt der Nation sowie der Greater Accra
Region, in die Eastern Region führt. Sie wird erweitert, um dem wachsenden
Fahrzeugandrang nachzukommen. Ich starre auf den Rücken eines Mannes, der gerade
mein Büro verlassen hat. Er kam um einen Brief abzugeben, der mir notwendige
Einzelheiten vermitteln sollte, die wichtig sind für die Beurteilung seiner
Situation. Im Lauf der Unterhaltung mit ihm, platze etwas aus ihm heraus, das
wie eine lange unterdrückte Wut erschien. Die Wurzel dieses Zorns, der fast an
Bitterkeit grenzte, war seine Frau. Er hatte sogar den Ehering abgenommen als
Reaktion auf den Mangel an Respekt, den ihm seine Frau zeigte, so behauptete er.
Und stolz zeigte er mir seinen ringlosen Finger. Wir schweiften von dem
Hauptzweck seines Besuchs ab. Seine Frau, insistierte er, behandelte ihn mit
grober Respektlosigkeit und Ungerechtigkeit. Sie hatte einen guten Job, der
ihrer Ausbildung entsprach; er nicht. Sie hatten beide einen
Universitätsabschluss.
Seine Frau hatte eine
brandneue BMW-Limousine von ihrer Firma bekommen, während er sich mit ihrem
kleinen alten Auto bescheiden musste, einer alten Ople-Limousine aus den
Neunzigern. Er konnte unmöglich weiter mit dem alten Opel fahren, weil der
dicken Rauch aus dem Auspuff ausstieß. Das geschah in einem solchen Ausmaß, dass
ein junger Polizeibeamter ihn einmal anhielt und fragte, ob seine Mutter eine
Fischhändlerin sei, die ihn vertraglich verpflichtet habe, ihren Fisch in seinem
Auto zu räuchern. Der Motor des alten Opel musste ersetzt werden. Er hoffte,
dass jemand ihm das Auto aus der Hand nehmen werde, selbst für einen lächerlich
niedrigen Preis. Jeder Preis wäre gut, wenn er es nur los werden könnte. Ich
fragte ihn neugierig, wozu diese Person, von der er hoffte, sie werde ihm den
alten Opel aus den Händen nehmen, ein Auto gebrauchen könne, das so stark
qualmt, dass ein Polizist denkt, er räuchere seines Mutters Fisch darin. Er
antwortete sehr optimistisch, dass er sicher sie, sobald man den Motor ersetzt
habe, könne das Auto als Taxi genutzt werden.
Es sei ein deutsches
Auto, fügte er hinzu, und deshalb sei die Karosserie solide.
Er habe nicht das Geld,
den Motor selbst auswechseln zu lassen, erklärte er. Und fügte bitter hinzu,
während seine Frau in einem todschicken brandneuen BMW herumkutschiere, müsse er
sich damit abfinden, die ganze Zeit am Straßenrand zu warten, um einen Bus oder
ein Tro-Tro oder ein Taxi zu ergattern. Er war sehr verbittert darüber, dass
seine Frau den Komfort eines neuen Autos genießen konnte und er nicht.
Das war nicht
akzeptabel, erklärte er, vor allem, weil seine Frau kein Problem in dieser
Situation sah. Ich fragte ihn geduldig, ob er es lieber anders herum hätte. Er
fährt den neuen BMW seiner Frau, während sie versucht ein öffentliches
Transportmittel zu ergattern.
Er verbrämte seine
Zustimmung zu einer solchen Situation indirekt mit der enthusiastischen Antwort,
dass er gern bereit wäre, seine Frau jeden Tag abzusetzen und vom Büro
abzuholen. Er würde auch nicht verbittert sein und sich nicht beklagen, weil
zwischen dem Absetzen und Abholen seiner Frau der BMW zu seiner Verfügung wäre.
Mit einem Lächeln im Mundwinkel fragte ich ihn, was wäre, wenn seine Frau
zwischen Absetzen und Abholen noch irgendwo hinfahren wolle oder müsse.
Beispielsweise schnell mal auf den Markt um ein paar Sachen einzukaufen während
ihrer Mittagspause. Er entgegnete, dass seine Frau das sicherlich nicht jeden
Tag täte, so wäre die Unbequemlichkeit des öffentlichen Verkehrs nur
gelegentlich zu ertragen, ganz im Gegensatz zu seiner Situation mit regelmäßiger
täglicher Basis.
Mein Blut begann zu
sieden. Aber ich spürte auch, dass dieser Mann nicht nur leidenschaftlich
überzeugt war von der Richtigkeit seines Denkens, sondern dass es als die
annehmbarere Norm betrachtet wurde. Der Mann fährt das Auto seiner Frau, während
sie sich mit dem öffentlichen Verkehr herumschlägt. Das wirft ein Licht auf alle
Aspekte unserer Leben. Ich bin verblüfft.
(Amma Darko, 30. Dez.
2006; Übersetzung: Regina Bouillon)
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